Einzelbild & Narrativität

Insbesondere im Medien- und Informationszeitalter der Gegenwart kommt piktorialen Repräsentationen eine wichtige Bedeutung zu. Tagtäglich rezipieren Menschen bewusst oder unbewusst eine Vielzahl bildlicher Darstellungen. Der vorliegende Band fokussiert dabei unbewegte monoszenische Bildtypen, die anders als etwa Comics, Bildfolgen, pluriszenische Bilder oder verschiedenste Bewegtbildmedien gerade keine multiplen, aufeinander bezogenen Situationen oder Szenen darstellen. Stattdessen interessieren sich die Autor_innen des Bandes für piktoriale Artefakte, die auf einen spezifischen Handlungsmoment fokussieren, welcher sich dennoch als ausschnittartige Darstellung einer möglichen Welt, einer ‚Diegese‘ deuten ließe. Zu denken wäre dabei nicht nur an ‚kanonische‘ Kunstwerke, sondern auch an Bildtypen aus Werbung und Stock-Fotografie, an Social-Media-Memes oder politische Karikaturen und Cartoons, aber auch an stark gebrauchsorientiertes piktoriales Informationsdesign. Die Autor_innen erwägen dabei sowohl Fragestellungen, die primär rezeptionsseitige Aspekte einer ‚Narrativierung‘ betreffen, als auch eher werkbezogene Fragen nach dem narrativen Potenzial der genannten Ausprägungen von Einzelbildern. Zugleich können dabei narratologische Ansätze und Begrifflichkeiten auf Anschlussstellen zu verschiedenen bildtheoretischen Teildisziplinen befragt werden (etwa Phänomenologie und Semiotik, Medienwissenschaft oder transmediale Narratologie).

Ausgehend von zwei gemeinsamen Bildbeispielen – dem Graffito Flower Bomber (2000) des Streetart-Künstlers Banksy sowie dem Gemälde Marriage A-la-Mode: 5, The Bagnio (1743) des britischen Malers und Grafikers William Hogarth – evaluieren die Beiträge damit auch narratologische Annahmen zur Narrativität neu. Gleichzeitig hinterfragen sie, welche medienspezifischen Repräsentationsformen Einzelbilder nutzen (können), um ein ‚intrinsisches Erzählpotenzial‘ auszuprägen, das sich unabhängig von existierenden Prätexten ergibt, auf die durch piktoriale Darstellungsmittel nur Bezug genommen wird. Einzelbild & Narrativität. Theorien, Zugänge, offene Fragen bietet damit neue Perspektiven auf:

· die Eigenschaft(en) der Narrativität: Anschlüsse; Revisionen; Erweiterungen bestehender (transmedialer) Definitionen

· den Vorgang der narrativen Interpretation (Voraussetzungen, Prozesshaftigkeit, psychologische oder kognitionswissenschaftliche Verortung)

· piktoriale Darstellungsmodi und ihr narratives Potenzial (Wahrnehmungspsychologie, Bildsemiotik, Bild-Philosophie)

· die Erklärungskraft und die ‚narratologischen Potenziale‘ bestehender bildtheoretischer Zugänge und Prämissen

Gemeinsam lassen sich die Beiträge als eine Art Werkzeugkasten verstehen, mit dem das narrative Potenzial von Einzelbildern genauer analysiert und reflektiert werden kann. Die vorliegenden, transdisziplinär und komparatistisch angelegten Analysen verdeutlichen, welche medienspezifischen Repräsentationsformen Einzelbilder nutzen (können), um ein Erzählpotenzial zu aktualisieren, das tatsächlich von existierenden Prätexten unabhängig bleibt. Einzelbildnarrativität, so das Plädoyer des vorliegenden Bandes, könnte damit auch ein genuines Forschungsfeld – oder doch zumindest einen möglichen Interessenschwerpunkt – unterschiedlichster bildwissenschaftlicher und narratologischer Ansätze ausmachen.

Andreas Veits / Lukas R.A. Wilde / Klaus Sachs-Hombach (Hrsg.)

Einzelbild & Narrativität.
Theorien, Zugänge, offene Fragen

2020, 208 S., Broschur, 213 x 142 mm, dt.

ISBN (Print) 978-3-86962-401-3 | 30,00 EUR
ISBN (PDF) 978-3-86962-402-0 | 25,99 EUR

Andreas Veits

ist Medienwissenschaftler. Er forscht zu Fragen des transmedialen Erzählens sowie Aspekten einer digitalen Medienkultur im Internet. Veits war Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsprojekt »Ästhetische Prozesse und Aneignungspraktiken in interaktiven und pseudoauthentischen Webserien« an der Universität Hamburg.

Lukas R.A. Wilde,

Dr., ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Medienwissenschaft der Eberhard Karls Universität Tübingen. Seine Forschungsschwerpunkte sind Comic- und Manga-Theorie sowie -Narratologie, Webcomics und Digitalisierung, Intermedialitätsforschung und Medientheorie sowie Diagrammatik.

Klaus Sachs-Hombach,

geb. 1957, ist seit 2011 Professor für Medienwissenschaft am Institut für Medienwissenschaft der Universität Tübingen. Seine Forschungs­schwerpunkte sind Bildtheorie, Kommunikationstheorie, Medientheorie, Zeichentheorie, Ästhetik, Kulturtheorie, Geschichte und Theorie der Psychologie und Kognitionswissenschaft.

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