Trump und das Fernsehen

Die Wahl und die Präsidentschaft Donald Trumps weisen auf eine tief greifende Zäsur im Verhältnis von Medien und Politik hin. So scheint sich die Prognose Neil Postmans bestätigt zu haben, der schon vor 30 Jahren das Fernsehen als Bedrohung der Demokratie ausmachte. Trumps Erfolg basiert aber nicht alleine auf dem Fernsehen, sondern auf einem komplexen Netzwerk von alten und neuen Medien, das Informationen, Bilder und Affekte auf eine intensive und kaum zu kontrollierende Weise zirkulieren lässt. Trump ist eine Heimsuchung, die kaum zu antizipieren war und immer noch nicht zu begreifen und zu akzeptieren ist. Trumps Präsidentschaft steht für eine Inkommensurabilität zwischen den ‚medialen‘ Wahrnehmungsmustern, die ihn als Präsidenten nicht fassen können, und einer Wirklichkeit, in der ein Präsident Trump doch jeden Tag beweist, dass er möglich ist. Um Trump, die Medien und den Populismus zu verstehen, ist es wichtig, das Fernsehen als Teil einer transmedialen Medienökologie zu begreifen, in der nicht nur ‚content‘, sondern auch Affekte über unterschiedlichste Medien hinweg fließen und immer neue, verwirrende Allianzen schaffen. Trump verstehen zu wollen, bedeutet auch, das Ensemble der traditionellen und sozialen Medien zu verstehen, deren Ineinandergreifen Trumps Allgegenwart erzeugt. Dazu gehören nicht nur Reality TV und The Apprentice, Fox und andere TV-Sender, sondern auch Drama- und Comedyserien, Twitterkommentare, Late-Night-Show-Beiträge als Mikronarrative auf YouTube und Twitter, die Medialität von Gerüchten, Verschwörungen, die Übertragungswege, die aus einer Politik der Meme resultieren, Vorbilder wie die Medienpolitik Berlusconis oder eine Symbolpolitik, die auf die quantitative Größe der Quote rekurriert. Der Band erkundet die Komplexität des Phänomens ‘Trump’, fragt nach dem Status der Medien- und Populärkultur, hinterfragt die Verfahren der Medienanalyse und schlägt neue Ansätze vor, die Medienwelt nach und mit Trump zu verstehen.

Dominik Maeder / Herbert Schwaab / Stephan Trinkaus / Anne Ulrich / Tanja Weber (Hrsg.)

Trump und das Fernsehen.
Medien, Realität, Affekt, Politik

2020, 384 S., Broschur, 213 x 142 mm, dt.

ISBN (Print) 978-3-86962-505-8 | 34,00 EUR
ISBN (PDF) 978-3-86962-506-5 | 28,99 EUR

Dominik Maeder,

M.A., ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Abteilung Medienwissenschaft der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

Herbert Schwaab

lehrt als Akademischer Oberrat am Lehrstuhl für Medienwissenschaft an der Universität Regensburg.

Stephan Trinkaus

vertritt derzeit (SoSe 2020) die Professur für digitale und audiovisuelle Medien an der Universität Bayreuth.

Anne Ulrich,

Dr., ist Akademische Rätin am Institut für Medienwissenschaft der Universität Tübingen.

Tanja Weber,

Dr., arbeitet als Lehrkraft für besondere Aufgaben am Institut für Medienkultur und Theater an der Universität zu Köln.

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