»Wir Leser*innen profitieren von diesem beeindruckenden Buch, von Poerschkes Jahrzehnte währender, intensiver Auseinandersetzung mit Lenin, die selbst Brüche erlebte.«
Prof. Dr. Stefanie Averbeck-Lietz
Universität Bremen
»Lenins propagandistisches Verständnis von Presse war bereits vor dieser Studie längst bekannt, aber Poerschke liefert die historischen und politischen Kontexte, wie sich diese Ideologie auch in der Praxis durchgesetzt hat.«
Prof. Dr. Armin Scholl
Universität Münster

Das Prinzip der Parteiliteratur

Es ist eine Tatsache, dass die Presse im Staatssozialismus von der jeweils herrschenden Partei kontrolliert wird. Oft wird behauptet, diese Einschränkungen der Pressefreiheit seien darauf zurückzuführen, dass Lenins Ideen von den sozialistischen Führern fehlinterpretiert worden seien. Der vorliegende Band widerlegt dies. Eine genaue Betrachtung von Lenins Schriften zeigt, dass die strikte Kontrolle der Presse bereits im 1905 ausformulierten Prinzip der “Parteiliteratur” angelegt ist.

Dieses Prinzip sah die strikte Unterordnung der Parteipresse unter die Parteiorganisation vor. Lenin hat es als Wesensmerkmal einer revolutionären proletarischen Partei postuliert und es wurde sowohl bei den Bolschewiki als auch in den Parteien der Kommunistischen Internationale durchgesetzt. Es war, und ist auch weiterhin, Grundlage der Medienpolitik in den Ländern des Staatssozialismus.

Aus emanzipatorischen Zielen und Bedingungen des Klassenkampfes abgeleitet, erwies sich das Prinzip der “Parteiliteratur” in der Praxis als Mittel, nicht nur die Parteimitglieder dem Willen der Parteiführung zu unterwerfen, sondern auch den Alleinherrschaftsanspruch der Partei in der Gesellschaft zu behaupten.

Das belegen von und unter Lenin geschaffene Tatsachen: Die Zerstörung demokratischer Öffentlichkeit in Russland durch rigorose Unterdrückung Andersdenkender, die bis zum Verbot der gesamten Presse, nicht nur der bürgerlicher Parteien, reichte; die Schaffung eines sowjetischen Pressewesens in der Verfügungsgewalt von Parteileitungen, ohne reale Möglichkeiten und Rechte demokratischer Mitwirkung für Parteimitglieder und Volk; Installation eines bürokratischen Systems zentraler Lenkung öffentlicher Information und Reglementierung journalistischer Arbeit sowie einer das ganze Land umspannenden, jegliche Veröffentlichungen erfassenden Zensur. Damit wurden geistige und organisatorische Strukturen geschaffen, aus denen wenige Jahre später der Stalinismus erwachsen konnte.

Hans Poerschke

Das Prinzip der Parteiliteratur.
Partei und Presse bei und unter Lenin 1899 – 1924

2020, 240 S., Broschur, 213 x 142 mm, dt.

ISBN (Print) 978-3-86962-565-2 | 26,00 EUR
ISBN (PDF) 978-3-86962-566-9 | 22,99 EUR
ISBN (ePub) 978-3-86962-568-3 | 22,99 EUR

Hans Poerschke,

Prof. Dr., Jahrgang 1937, studierte 1955 – 1959 Journalistik in Leipzig. 1969 erwarb er mit der in der DDR üblichen Promotion A den Doktortitel, 1982 erfolgte seine Promotion B (gleichwertig der heute üblichen Habilitation). Ab 1970 war Poerschke Dozent für Wesen und Funktion des sozialistischen Journalismus in Leipzig, bevor er 1983 Professor für Theorie des Journalismus wurde. 1990 wurde er zum (letzten) Direktor der Sektion Journalistik der Universität Leipzig gewählt. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören das Verhältnis von sozialistischer Partei und Presse sowie die Geschichte der marxistisch-leninistischen Journalismustheorie an der Leipziger Sektion Journalistik.

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